11 Vorsätze für das neue Schuljahr

Da sind wir also wieder, die Anfangskonferenz ist rum, hocken in den Startlöchern und starren gebannt in den Schrank im Arbeitszimmer, wo irgendwo das Heft mit den total tollen Kennenlernspielen für Fasterwachsene sein muss. Ja, der Schrank ist in einem Anfall von Ordnungswut in den Ferien aufgeräumt worden. Ja, das Heft war vorher eigentlich immer ganz links außen, neben dem komischen Psychologie-Seminar-Ordner aus der Uni, damals, als wir alle noch in Mark gezahlt haben.

Das Heft wird nicht auftauchen, auch egal, denn jetzt kommen die

11 wichtigsten Vorsätze für das neue Schuljahr.

1.) Kaffee pünktlich, ohne Aufforderung, bezahlen. Kaffeeschulden sind Ehrenschulden.

2.) Regelmäßige Backups. Von allem. Auch von E-Mails, von Terminkalendereinträgen, von dem ‚Wichtig‘ und dem ‚Bald‘-Ordner auf meinem Schreibtisch.

3.) Niemals im Schulhaus fluchen. Auch nicht verdammte Scheiße, wenn ich mir in der Pause Puderzucker auf die Nadelstreifen bröckel.

4.) Gleich tun. Im Zweifel ist gleich tun nie verkehrt.

5.) Ersatzbatterien irgendwo in der Schule verstecken. Ein Paket ‚Strömschnöll‘ von Ikea kostet Kaumwasfuffzich und kann einem Lehrer, der vor einem DVD-Spieler steht und gern fluchen würde, weil die Fernbedienung nicht geht und deswegen das Menu nicht und deswegen der Kurzfilm nicht und deswegen eigentlich der ganze geplante Unterricht nicht… Kann einem Lehrer die Stunde retten.

6.) Bauchgefühl vertrauen. Wenn in einer Woche drei Kollegen Geburtstag haben, sind das drei Tage mit Kuchen. Dann ist es nicht besonders vernünftig, dazu noch irgendwelchen Süßkram vom Bäcker zu kaufen und vor der Mittagsbetreuung noch schnell zu McDo zu fahren, nur um dort noch rechtzeitig zum Frühstück diese Pfannkuchen mit Bratwurst und Ahornsirup und Ei- Teile zu essen. Das muss einfach müde machen.

7.) Musik hören. Herausfinden, welche Bands Top Acts bei Rock im Park und Lollapalooza werden und von jeder das bekannteste Lied anhören. Wenn möglich, im Unterricht verbraten.

8.) Schüler-Blogs im Unterricht schreiben lassen.

9.) Mit missionarischem Eifer Kollegen davon überzeugen, dass Handys im Unterricht sinnvoll eingesetzt werden können. Kleine hochintelligente Taschencomputer, schlauer als die Dinger, mit denen Louis Armstrong auf dem Mond Trompete gespielt hat – und wir verbieten die Geräte?

10.) Anders aufräumen. Irgendwie so, dass hinterher mehr sinnvolle Ordnung da ist als vorher.

11.) Unterscheiden in Wichtiges und Ernstes. Wichtiges zuerst tun.

3 KOMMENTARE

  1. Zu 6. hatte neulich vor einer Runde auf einem 18-Loch-Golfplatz die Idee mal so ein schnelles Frühstück zu essen. Und es ist mir 18 Loch lang aufgestoßen.

    zu 9. such ich grad weitere Argumentationen, um Wlan in Klassenzimmern zu ermöglichen.

  2. Mal kurz die Argumente gegen Wlan, und ein paar fiese Konter:

    Fachlich, pädagogisch, besorgt
    „Kinder können jederzeit ohne Kontrolle online gehen.“
    -> können sie auch so, wenn sie ein Smartphone haben.
    -> bei ‚ohne Kontrolle‘ läuft viel schief.
    -> Passwörter. Verschlüsselung.

    Systemerhaltend, vernetzungskonservativ
    „Wenn alle Klassen gleichzeitig online gehen, geht unser Schulnetz in die Knie.“
    -> Mit der Argumentation könnten auch alle gleichzeitig im selben Zimmer sitzen, damit die Heizung nicht so viel zu tun hat, und ein kleiner Holzofen für 600 Mann reicht.
    -> Irgendwas mit Zukunft. Egal was. Videoconferencing, live-streaming von Schulfunksendungen aus den 70ern.

    Besorgt, unsicher, ängstlich
    – „Die Strahlung von wlans ist schädlich.“
    -> Handys (besonders ältere) ’strahlen‘ mehr.
    -> „Wissen Sie, das wird vom Magnetfeld hier im Tal ausgeglichen.“
    [-> „Wir reiben unseren Netzwerkadministrator morgens mit einer Zwiebel ein, das hilft.“]

  3. Ok, ich setze noch welche drauf – allerdings aus der Diskussion mit dem Sysadmin zur Errichtung eines Wlan-Netzes im Lehrerzimmer.

    „Wer nutzt denn das schon?“

    -> Wenn es nicht da ist, kann es auch keiner nutzen.

    „Das ist total unsicher!“

    -> Deswegen will ich es ja, damit ich Pornos gucken kann, ohne erwischt zu werden. Mein Nachbar zuhause hat sein Wlan leider schon abgeschottet.

    „Das kostet aber extra.“

    -> Ich bezahls aus eigener Tasche oder gehe sammeln.

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