Lehrerkleidung oder: „Ich hab‘ nichts anzuziehen. Bin ich Steve Jobs?“

Lehrerkleidung – ein erstaunlich wichtiges Thema. Blognachbarin Frau Weh beschreibt treffend, wie äußerer Eindruck eines Kollegen und seine gesamte übrige Wirkung ein Gesamtbild ergeben:

Mein letzter Englischlehrer wohnte bei seiner Mutter, hatte aufgenähte Flicken auf den Ärmeln und sagte immer

Pschschscht! Pschschschst! PSCHSCHSCHSCHSCHT!

Vermutlich nicht ganz das Bild, das Lehrer vermitteln wollen. Wir tun uns aber auch schwer damit: Umgeben von Jugendlichen, die allein schon, weil sie dauernd aus Allem herauswachsen, immer modern gekleidet sind. Groß geworden an geisteswissenschaftlichen Fakultäten, wo äußere Erscheinung wirklich nicht weit oben auf der Agenda steht. Vorbilder in Medien? Ich sage nur Specht und – für die ganz harten: Sylvia.

Um das Thema noch unter einem anderen Gesichtspunkt aufzurollen, möchte ich kurz auf eine sehr amerikanische Betrachtungsweise der Sache eingehen: In ihrem Artikel ‚What Steve Jobs can teach you about Style‘ geht die dortige Bloggerin „Closet Coach“ darauf ein, weshalb Kleidung für ein professionelles Äusseres wichtig ist. Zum Beleg liefert sie dieses Bild:

Ja, Steve Jobs hat früher, in den wilden 80ern, auch einmal feines Garn getragen. Erst als Multimillionär konnte er seinen ganz eigenen Stil mit Rollkragenpullovern und Jeans jederzeit ausleben. Vorher war auch Jobs darauf angewiesen, sein Gewand den Erfordernissen und Erwartungen seiner Branche – und wohl auch seiner Kapitalgeber – anzupassen. Ob er sich darin richtig wohl gefühlt hat, steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt; mir kommt er nicht wie die Sorte Mensch vor, die sich gern verkleidet. Aber er – davon ist auszugehen – er wusste auch damals genau, was er tat. Closet Coach, die Kleiderschranktrainerin, bringt es passend auf den Punkt:

Dress for what’s next. Until you make your own million (or billion), dress for the job you want, not the one you have.

Zieh Dich für das an, was als nächstes kommen soll. Oder, etwas platter und vertrauter formuliert: Kleider machen Leute. Ja, machen. So Futur-mässig. Etwas quer gedacht lässt sich daraus die Forderung ableiten, dass Lehrer so angezogen sein sollten, dass sie auch in Zukunft ihren Schülern auf Augenhöhe begegnen. Den zukünftigen Bankberatern, Vermietern, Professoren, Zollfahndern und Kollegen also kleidungstechnisch um nicht allzu viele Stufen unterlegen sind.

Nein, übertreiben sollte man es als Lehrer nicht, wenn man sich nicht darin wohlfühlt. Keine Krawatten- oder Blusenpflicht, kein Nadelstreifensakko im Schulgarten oder in der Turnhalle. Auf der anderen Seite gehört aber Kleidung, die gut zur Gartenarbeit getragen werden kann, doch wohl auch genau dort hin?

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