LehrplanplusIn Bayern wurde und wird eine neue Lehrplangeneration an die Schulen gebracht. LehrplanPLUS, so heißt das Kind nun quer durch die bayerischen Schularten. Vielköpfige Gremien haben in langen Sitzungen ausgetüftelt, was die Schülerinnen und Schüler nach einem Schuljahr wissen und können sollen, und dabei dieses Wissen und Können in Kompetenzen zusammengefasst.

Neuerungen

Der Lehrplan ist jetzt online verfügbar (hier: Lehrplan PLUS für Realschulen in Bayern). Ja, das war der bisherige Lehrplan auch, aber der neue Lehrplan soll weitergehende Onlinefunktionalitäten bereitstellen. Bislang ist davon im Bereich Realschule noch nicht viel zu sehen, aber er ist ja auch noch nicht ganz fertig. Noch nicht einmal die pdf-Ansicht „Pdf-Sammlung“ ist benutzbar, wenigstens reagiert die Webseite auch auf wiederholtes, besonders eindringliches Klicken nicht.

Der Lehrplan ist kompetenzorientiert. „Was haben die Kinder denn bislang gelernt?“, werden die beunruhigten Lehrer fragen. Ja, klar, auch Kompetenzen. Wir nannten sie nur eben Wissen, Können, und etwas sperrig auch ‚Schlüsselqualifikationen‘. Jetzt soll der Unterricht noch klarer bestimmbaren Zwecken dienen – und, so ist wenigstens mein ewig skeptischer Verdacht, auch klarer messbare Ergebnisse bringen. Der vielbeschworene Pisa-Schock ist schon über ein Jahrzehnt her, aber wir messen unsere Schüler immer noch gern und häufig, mit mehr oder weniger sinnvollen Ergebnissen. Der LehrplanPLUS gibt jetzt potentiellen Leistungsbewertern klarere Kriterien an die Hand, auf deren Erfüllung hin die Schülerinnen und Schüler überprüft werden können.

Der LehrplanPLUS listet grundlegende Kompetenzen für jede Jahrgangsstufe auf, z.B.:

Die Schülerinnen und Schüler …

verstehen kurze erzählende und dialogische Texte (z. B. Geschichten, Dialogszenen, Foto-Storys) sowie Lieder, Gedichte und einfache Gebrauchstexte (z. B. Anleitungen, Speisekarten), die Themen aus dem unmittelbaren Erfahrungsbereich behandeln, eine klare Struktur aufweisen und weitestgehend bekanntes bzw. sehr leicht erschließbares Sprachmaterial (z. B. Internationalismen) enthalten. Beim stillen Lesen erfassen sie den Gesamtzusammenhang und entnehmen gezielt grundlegende Informationen.

Schön ist, wie sehr die Verfasser sich darum bemüht haben, in jeder Jahrgangsstufe auch wirklich höhere Anforderungen zu stellen und diese entsprechend zu formulieren. Immer noch ein bisschen mehr, etwas schwierigere Texte, etwas mehr Vokabular, ein paar Chunks mehr und etwas Scaffolding weniger. Nein, das war sicher nicht leicht zu formulieren.

Und was bringt’s?

Für den Englischunterricht ist die Kompetenzorientierung nicht neu; schon seit Jahren (Jahrzehnten…) und mindestens seit der letzten Lehrplangeneration wissen wir genau, wie das Sprachenlernen funktioniert, und auch, wie man es in einzelne Schritte zerlegen kann. Der Englischunterricht ist dabei wissenschaftlich besonders gut erschlossen, da international am Lernen genau dieser Sprache geforscht wird. Wir wissen also, wie es geht, der Lehrplan gibt einen vermutlich gangbaren Weg an… The proof is in the pudding; letztlich muss die Praxis zeigen, was der neue Lehrplan an Zugewinn für die Schüler, die Lehrer und den Unterricht bringt. Denn darum geht’s doch. Oder?