Let’s Plays im Unterricht

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Let’s play?

Nein, hier ist nicht gemeint, dass zum kindgemäßen Lernen auch das Spielen gehört. Das versteht sich fast von selbst, und macht immer auch einen Teil des erfolgreichen Fremdsprachenunterrichts aus… Let’s Plays sind Videoaufzeichnungen oder Liveübertragungen von Computerspielen, wobei man häufig in einem kleinen Ausschnitt des übertragenen Bildes die Spieler selbst sieht; zu Hören sind die Spieler immer, und als unterhaltsam werden die Reaktionen der Spieler auf die Spielinhalte beschrieben und erlebt. Einzelne Lets Players, wie etwas der Schwede Pewdiepie, konnten ihr Hobby zum Beruf machen, und verdienen sich durch Werbeeinnahmen auf Youtube oder anderen Streamingdiensten ihren Lebensunterhalt.

Und im Unterricht?

Die erste Möglichkeit ist noch recht geradlinig, und für Englischlehrer Teil des Berufsalltags: Das kulturelle Phänomen wird durch Texte und Videos thematisiert, da es offensichtlich die Schüler anspricht und sie somit Vorwissen, Meinungen und Informationen haben, die sie untereinander auch in der Zielsprache austauschen wollen. Die international erfolgreichsten Let’s Players streamen ihre Inhalte auf Englisch ins Internet – hier reibt sich der Englischlehrer schonmal zufrieden die Hände und sieht die authentische Kommunikation geradezu wie auf Schienen auf die Schüler zurollen. Schüler, die wegen ihrer Begeisterung für Computerspiele in der Kombination Situation-Information-Kommunikation dann schnell einen Berg von Begriffen und Sprachkonstruktionen anwenden und vertiefen.
Wichtig bei der Auswahl der Let’s Players ist es, hierbei auf ein paar Aspekte zu achten:

  1. Welche Spiele werden gespielt?
    Jugendgefährdende Ballerspiele haben auch im modernsten Englischunterricht nichts verloren, und Schock-, Ekel- oder Gruselelemente sind nicht altersgemäß. Ein Unterrichtsgespräch über interessante Computerspiele kann schnell ins Abseits laufen, wenn die Schüler sich nur gegenseitig erzählen, welche ab 18-Spiele sie aus eigener Erfahrung kennen.
    Viele Lets Player spielen kurze Computerspiele mit einfachen Inhalten – diese können besonders ergiebig sein.
  2. Wie ist die Sprache des Let’s Players?
    Häufig sprechen Let’s Player schnelles Englisch, insbesondere in spannenden Szenen kann das Sprechtempo schnell ansteigen und die Lerner überfordern. Erfolgreichere Lets Players zeichnen sich häufig auch durch Freude an Sprachspielen und Running Gags aus – es gibt aber auch Spieler, die ein eher eintöniges, einfaches und teilweise übertrieben schmutziges Vokabular verwenden. Nein, für mich steht nicht im Vordergrund, dass Englischlehrer die Schimpfwortpolizei spielen; wichtig ist, dass die Schüler ein Englisch erwerben, das sie in vielen Kommunikationssituationen einsetzen können.
  3. Wie ist die technische Umsetzung?
    Viele Let’s Player glänzen durch Einblendung von einzelnen Wörtern, die das Verstehen erleichtern; noch üblicher ist es, dass man den Spieler selbst dabei beobachten kann, wie er spielt; ein Webcam-Bild wird hierzu eingeblendet. Häufig folgen Let’s Player, ähnlich wie Vlogger, einem Skript, das sie vor ihrer Sendung erarbeitet haben. Hierbei werden Hintergrundinformationen zum gezeigten Spiel vermittelt, Vergleiche mit anderen Spielen oder auch der Bewertung durch andere Spieler angestellt oder auch die Zuschauerbindung durch Gewinnspiele, Running Gags oder andere Aktionen vertieft. Bei Liveausstrahlungen über twitch ist es häufig möglich, mit dem Spieler durch Eingabe von Text in einem Schriftchat zu interagieren; ja, das wird im Unterricht nur schwierig einsetzbar sein – die Auswertung eines solchen Chats kann jedoch eine interessante Aufgabe für den Englischunterricht sein.
  4. Livestream oder Aufzeichnung?
    Nicht alle Spieler bieten Livestreams an; so wie Vlogger schätzen auch Let’s Player die Möglichkeiten der Videonachbearbeitung und des Meinungsaustausches (vermutlich auch des Geldverdienens) über Videoplatformen wie youtube. Was ist jetzt aber für den Unterricht sinnvoller?
    Diese Frage wenigstens ist einfach zu beantworten: Um strukturiert mit einem Medium arbeiten zu können, muss der Lehrer es kennen. Spontan mal sehen, was die Spieler gerade anbieten – das ist keine Idee, die zu organisiertem, geplanten oder langfristig ergiebigem Unterricht führen kann. Der Reiz am Live-Stream liegt für den Englischunterricht noch am Ehesten in der Interaktion mit dem Spieler. Ob dieser aber unbedingt amused ist, wenn 25 Jugendliche seinen Chatkanal mit Fragen zukleistern, kann bezweifelt werden.

Unterrichtsideen mit Let’s Plays

Authentisches Material? Moderne Medien? Interessensgebiete von Jugendlichen? Das muss sich doch im Englischunterricht einsetzen lassen… Zum Beispiel so:

  1. Describing actions
    Um Videogames zu beschreiben, braucht man viele Redemittel – ein paar Redewendungen und etwas Vokabular. Und, Überraschung: Etwas Grammatik. Ohne Present Progressive wird’s wohl eher nicht so prickelnd – Simple Present muss auch sein, und If Clause Type 1 macht’s interessanter.Stundenziel/Outcome: Die Schüler beschreiben Aktionen in einem Videospiel.
    Sprache: If-Clauses, Present, Verbs, Adjectives
    Language Support: Poster mit häufigen Formulierungen, Grammatik-Wiederholung
    Input: Ausgewählte Let’s Plays

    Ablauf:
    – Einstieg: Let’s Players. Poster/Text/Video – die Schüler sollen erfahren, was Let’s Player so machen; es gibt naturgemäß sehr viele Videos, in denen sich die Stars und Sternchen der Szene selbst präsentieren.
    – Follow-Up: Inhalt Einstieg, eigene Sehgewohnheiten
    – Beispiel-Let’s Play Video mit gehäuftem Auftreten des gewünschten Phänomens
    – Sammeln von Redemitteln aus Video
    – Weiteres Let’s Play-Video, diesmal ohne Ton. S beschreiben sich gegenseitig, was sie sehen. Eventuell split viewing.
    – Feedback, evtl Präsentation besonders geglückter Beschreibungen
    – Für kreative Hausaufgabe: Ein S oder der L spielt live ein möglichst triviales Spiel, S dürfen Let’s Play- Beschreibung dazu verfassen bzw. aufnehmen.

  2. Let’s Play it Ourselves
    In dieser Unterrichtseinheit werden die Schüler selbst zu Spielern und zu Kommentatoren.Stundenziel/Outcome: Die Schüler erläutern anderen ihre Handlungen.
    Sprache: Present, Verbs, Adjectives
    Language Support: Vokabel-Lernspiel

    Ablauf:
    – Einstieg: Brainstorming – Game Genres; wenn es vollständig werden soll, etwa hier, gem. Wikipedia:
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    – Zu jedem Genre werden Beispiele genannt; dieses Vorwissen wird später benötigt.
    – Vorstellen eines Lernspiels, etwa aus learningapps.org – idealerweise ein Lernspiel mit Vokabular zum Thema Spielen
    – Die Schüler dürfen in Kleingruppen an dem Spiel arbeiten, anschliessend wird das Spiel möglichst dramatisch gespielt und kommentiert, gern auch von zwei Schülern gleichzeitig (auch solche Let’s Play-Formate sind populär, da in Dialogform mehr Interaktion möglich ist)
    – Spiele-Raten: Die Schüler erklären ein Spiel, das sie gerade nicht spielen, vor der Klasse. Wer das Spiel, das beschrieben wurde, errät, erhält ein Token.
    – Diskussion/ Ausblick für die nächste Stunde: Was macht ein Spiel gut? Sammlung von Ideen mittels Think/Pair/Share…

  3. Let’s be Let’s Players

    Mit geeigneter Software können auch die Schüler selbst Let’s Play-Videos aufnehmen; das gratis verfügbare OBS Studio (Download hier) ist einsteigerfreundlich und ermöglicht schnelle Erfolge. Diese Videos könnten in geeignetem, geschütztem Raum hochgeladen und durch die Mitschüler kommentiert werden.

  4. Let’s Live

    Die Schüler drehen ein Video eines abwechslungsreichen Nachmittags in der Stadt, schneiden dieses und kommentieren es anschließend selbst – dies kann insbesondere auch für Partnerschulen im Rahmen internationalen Austausches interessant sein…