Über die Planung von Unterrichtsstunden

„Boah, schreib halt einfach, wie‘s in Echt gemacht wird, dann haben wir‘s hinter uns.“ … Ja, Leser, ich höre Dich.

 

Unterricht Planen für Einsteiger

Step 1. Was steht denn im Lehrplan? Den müssen Lehrer immerhin umsetzen. Klar, in einer einzelnen Stunde schafft man nur nen Ausschnitt aus der Menge, der für ein Schuljahr vorgesehen ist, aber in drei bis fünf Stunden sollte ein brauchbares Item aus dem Lehrplan rumkommen.

Step 2. Was ist denn am Material da? Alle Kids haben schon Bücher, und die zu vermittelnde Sprache wird auch drin verwendet, am Ende in einer Art von Progression? Hey, darauf kann man doch aufbauen.

Step 3. Aus vorhandenem textbook und Lehrplan wird eine Schnittmenge gebildet und ein Stundenthema gewählt. Keine Schnittmenge da, oder die Angebote im Englischbuch wirken auf den ersten Blick nicht so überzeugend? Dann geht‘s heute mal wieder ohne Lehrwerk, ist im Zweifel eh lustiger und passender zur Klasse mit ihren Interessen. 

Arten von Stunden

Typ 1: Strukturell wesentliche Stunde, die abprüfbare Dinge an den Schüler bringt. Häufig was mit viel lesen, damit die Kids ähnlichen Input bekommen – immerhin sollen sie ja auch einen ähnlichen Test schreiben. Ein paar erweiternde Aufgaben für schnelle Schüler, und etwas Hilfe für die Langsamen gehören dazu.

Typ 2: Landeskundestunde, in der neben Informationen über die Zielkultur auch die kommunikativen Kompetenzen im Mittelpunkt stehen. Klassischerweise mit viel Medieneinsatz, gern auch was Digitales. Individualisierung und Differenzierung nach Interesse und Skills ist einfach machbar – und sollte auch gemacht werden. 

Typ 3: Wiederholungsstunde. Das Lernziel? Würde so ähnlich schon seit einer Woche beackert, und wird intern vielleicht langsam etwas vorsichtiger formuliert: „Die Schüler verstehen die Regeln zur indirekten Rede und wenden Sie im Rahmen einer Reportage über Beauty Blogger an, wahrscheinlich.“ Kennzeichen: Ein passender Rahmen, ein Avatar, der die Aufgaben gibt. Methodisch wird‘s bunt; besonders wenn die Arbeitsmaterialien monochrom werden: Gruppenpuzzle, Bus Stop Methode, Gears… Irgendwas findet sich schon, das die Schüler bei der Stange hält.

Typ 4: Gestaltungsstunde. Die Kids erstellen etwas Cooles. Speisekarten, Poster, Online-Guides, Videos, Audios. Yeah, hier werden Kompetenzen angewandt, hier werden aber auch -bei guter Themenwahl- spezifische sprachliche Strukturen geübt.

Typ 5: Zauberstunde. Eine von denen, von denen noch Jahr später am Klassentreffen geredet wird. Das British Breakfast. Die Stunde, in der Berge von amerikanischen Süßigkeiten nach irgendwelchen Kriterien sortiert werden. Die Kooperation mit Sport, und dann machen alle Highland Games und werfen Baumstämme. Die Stunde, in der die Liveschaltung mit Indien klappt. 

Typ 6: Die wirksame Stunde. Mal was für die Lehrerseele: internationale Projekte, Videos für die Schule, was gegen Fremdenhass und für den Frieden. Lehrer kann man nicht einfach mal so sein, Lehrer ist man immer auch aus Idealismus. Auch ein neues Lieblingslied an die Kinder bringen, ein historisches Thema interessant machen oder den Kids beibringen, einander respektvolles Feedback zu geben sind lohnenswerte Ziele.

Typ 7: Die saisonale Stunde. Weihnachten, Guy Fawkes, hastesnichtgesehen. Wir backen Kekse, wir warten auf Murmeltiere, feiern den obskursten „Tag des …“ und strukturieren nebenbei das Schuljahr.

Typ 8: Die Schule für die Galerie. Egal, ob Praktikanten, ein Evaluationsteam oder der Schulleiter sich angekündigt haben – in der Planung fallen die dämlichsten Witze erstmal weg, und besonders knifflige Instruktionen werden auch schriftlich gezeigt, falls man sich doch mal verhaspelt. In Galeriestunden wird in der Regel auch keine neue Methode ausprobiert.

Typ 9: Probierstunde. Hier wird -neben einem spannenden Thema, schon klar- eine für die Klasse neue Methode oder ein neues Medium ausprobiert. Die eine App, von der der Kollege schwärmt? Kann hier vielleicht (nach ausgiebigen Tests am Schreibtisch) mal eingesetzt werden. Die Methode aus dem Handbuch? Her damit. Und dazu: Der Backup-Plan.

Okay, jetzt aber weiter mit der Planung 

Step 4: Jetzt darf die Internetrecherche her. Was gibt‘s Tolles, Neues, Aktuelles? Auch Mitlehrer werden online wie offline befragt.

Step 5: Planungsgrobentwurf. Was dauert wie lange? Was könnte im Unterricht passieren, das die Schüler interessant finden? Können die Kids ausreichend sprachlich handeln? Gibt es Gelegenheiten zum freien Sprechen?

Step 6: Feinkrams. Medien herrichten, Arbeitaufträge schön formulieren, Farbschemata und so. Jetzt wird nichts mehr groß umgeworfen, jetzt wird die Stunde nur noch ein bisschen hübscher, motivierender – und beim Sortieren kann man sich den intendierten Verlauf etwa einprägen.

Step 7: Unterricht laufen lassen. Ja klar, der Plan ist toll. Aber wenn die Schüler beim ersten geplanten Schritt von Fünfen steckenbleiben und motiviert an etwas arbeiten – dann kann man sie auch einfach mal machen lassen.